Vier Personen streiten sich

Der unsichtbare Brandstifter – Warum Ego alles anzündet

Jürgen Ferrary
18. Februar 2026

Woher kommen die meisten Probleme dieser Welt? Kriege. Zerbrochene Ehen. Gemeindestreit. Verletzte Freundschaften.

Wenn wir ehrlich sind, steht ganz oben auf dem Treppchen meist ein unscheinbares Duo: Egoismus und Stolz. Zwei Geschwister, die nicht nur „die Welt da draußen“, sondern auch Christen betreffen – und das nicht erst seit dem 21. Jahrhundert.

Der Jakobusbrief bringt es erstaunlich direkt auf den Punkt. In Bibel heißt es: „Woher kommen die Kämpfe unter euch? … Kommen sie nicht aus euren Begierden, die in euch streiten?“ (Jakobus 4,1ff.)

Jakobus legt den Finger nicht auf politische Systeme oder schwierige Umstände. Er zeigt nach innen. Konflikte beginnen im Herzen. In unerfüllten Erwartungen. In verletztem Stolz. In dem stillen Anspruch: Ich zuerst.

Egoismus ist subtil. Er tarnt sich als „Selbstfürsorge“. Stolz verkleidet sich als „gesunde Selbstachtung“.

Doch wenn sich alles um meine Wünsche dreht, wird jede Enttäuschung zur Kränkung. Wenn andere meine Erwartungen nicht erfüllen, fühle ich mich übergangen, missachtet, ungeliebt.

Und so beginnt es im Kleinen: Der Einkaufswagen mitten im Weg. Das Rechthaben im Gespräch.
Die fehlende Bereitschaft, sich zu entschuldigen. Und es endet im Großen: Zerbrochene Beziehungen. Vergiftete Gemeinschaft. Feindschaft.

Jakobus geht sogar noch weiter: Egoismus beschädigt nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen – er vergiftet auch unsere Beziehung zu Gott. „Ihr bittet, aber ihr empfangt nichts, weil ihr in böser Absicht bittet.“ Wenn selbst Gebet nur noch der Verlängerungsarm unseres Egos ist, wird Gott zum Mittel zum Zweck.

Das ist hart. Aber heilsam ehrlich.

Dem stellt Jesus einen radikalen Gegenentwurf entgegen. Sein Leben war geprägt von Selbsthingabe. manchmal Müde – und dennoch offen für Menschen. Hungrig – und doch mit Blick für die Not anderer. Verachtet – und trotzdem voller Erbarmen.

Er war innerlich stabil, weil er nicht um sich selbst kreiste. Seine Freude kam nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Liebe. Sein Frieden nicht aus Kontrolle, sondern aus Vertrauen.

Und genau hier liegt der Schlüssel: Stolz macht uns empfindlich. Demut macht uns frei.

Solange wir Aufmerksamkeit einfordern, bleiben wir abhängig von ihr. Solange wir Status suchen, bleiben wir getrieben. Solange wir Recht behalten wollen, verlieren wir oft Beziehungen.

Demut bedeutet nicht Selbstverachtung. Sie bedeutet, Gott den Mittelpunkt zu überlassen.

Wenn wir anfangen, weniger um uns selbst zu kreisen und mehr zu fragen: „Wie kann ich dienen? Wie kann ich segnen? Wie kann ich einen Unterschied machen?“, verändert sich unsere innere Landschaft. Plötzlich sind wir nicht mehr ständig beleidigt. Nicht mehr dauernd im Vergleich. Nicht mehr besessen vom letzten Wort.

Die glücklichsten Menschen sind selten die, die am meisten bekommen. Es sind oft die, die am meisten geben. Egoismus verspricht Erfüllung – und hinterlässt Leere. Demut wirkt unscheinbar – und bringt Frieden.

Vielleicht sind Egoismus und Stolz wirklich die großen Brandstifter unserer Zeit. Aber sie müssen nicht das letzte Wort haben.

Kleine Herausforderung für heute: Beobachte heute bewusst deine Reaktionen: Wo fühlst du dich schnell gekränkt? Wo willst du unbedingt Recht behalten? Wähle in einer konkreten Situation bewusst den Weg der Demut – auch wenn dein Ego protestiert. Frieden beginnt oft mit einem Schritt zurück.

Sei gesegnet!

„Ego ist der Feind“ (Ryan Holiday).

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